Monitoring und Steuerung von Veränderungsprozessen in der Psychotherapie – Hamburg, Februar 2026

Monitoring und Steuerung von Veränderungsprozessen in Psychotherapie und Beratung

Weiterbildungscurriculum zum Synergetischen Prozessmanagement unter Anwendung des Synergetischen Navigationssystem (SNS) (internet- und app-basiertes Monitoringsystem) und eines neuen Verfahrens der Fallkonzeption

 

3 Module à 2 Tage von Februar bis Juli 2026, zusätzlich 2 Online-Termine
70 Fortbildungspunkte für approbierte Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen

 

Veranstaltungsort: Hamburg
Kursleitung: Prof. Dr. Günter Schiepek und Dr. Yvonne Hülsner
Kosten: 1500 Euro
Anmeldung: www.ccsys.de oder kurse@ccsys.de

 


Hintergrund und Ziele

Die Gestaltung und Förderung von Veränderungsprozessen in Psychotherapie, Beratung und Organisationsentwicklung stellen uns vor besondere Herausforderungen. Solche Prozesse sind weder einfach vorhersehbar noch intentional steuerbar. Gleichzeitig sind mehrere Systemebenen zu berücksichtigen und die Informationen von gestern sind nicht selten heute schon überholt. Die Komplexitätswissenschaften liefern in dieser Situation geeignete Verständnisgrundlagen sowie Methoden, um die Eigendynamik von Selbstorganisationsprozessen wirkungsvoll zu unterstützen, zu gestalten und zu evaluieren.

 

In dieser Weiterbildung werden die hierfür notwendigen Kompetenzen und Methoden vermittelt.

 

Ziele:

  • Verständnis für die Funktionsweise komplexer Systeme und deren selbstorganisierender Prozesse. Für die Praxis relevant sind vor allem Methoden der Fallkonzeption und des Prozessfeedbacks.
  • Veränderungsprozesse können mit geeigneten Methoden auf der Höhe des Geschehens abgebildet werden. Ein internetbasiertes Monitoringsystem zur Prozessbegleitung und -gestaltung wird erlernt und in der Selbst- sowie in der Patientenanwendung genutzt (Synergetisches Navigationssystem, SNS). Das Real-Time Monitoring liefert eine valide Basis für Mikroentscheidungen im therapeutischen Prozess (shared decision making), für kooperative Feinsteuerung und für die Evaluierung. Das Monitoring kann in Therapie- und Beratung sowie in der Supervision genutzt werden.

 

Aufbau und Inhalt der Module

Modul 1: 27.-28. Februar 2026

 

Einführung in die Grundlagen komplexer Systeme, Synergetik, Chaostheorie. Beispiele und Illustrationen aus unterschiedlichen Anwendungsfeldern. Vorstellung einer wissenschaftlichen Theorie therapeutischer Veränderungsprozesses.

 

Generische Prinzipien: Kriterien und Bedingungen für gelingende Veränderungsprozesse

 

Ressourceninterview: Ein Verfahren zur Erfassung persönlicher Ressourcen und Kompetenzen in der Therapie.

 

Möglichkeiten der Prozessgestaltung und Prozessevaluierung aus Sicht von Komplexitätswissenschaften und Chaostheorie. Grundlegung der im Synergetischen Navigationssystem (SNS) implementierten Analyseinstrumente.

 

Tag / Uhrzeit Inhalt
Freitag 27. Februar
09.00-12.45h
Überblick über die Inhalte des gesamten Kurses, Literatur. Klärung von Erwartungen und der verfügbaren Praxisfelder der Teilnehmer*innen. Einführung in die Grundlagen der Komplexitätswissenschaften: Theorie komplexer Systeme, Synergetik, Chaostheorie. Beispiele aus der Physik, der Dynamik des Gehirns, der Psychologie, insbesondere der Psychotherapie. Illustrationen und Übungen aus dem Bereich der Wahrnehmungspsychologie. Wirkfaktoren in Therapie und Beratung: Medical vs. Contextual Model.
Freitag 27. Februar
12.45-13.45h
Pause
Freitag 27. Februar
13.45-18.00h
Vorstellung einer wissenschaftlichen Theorie therapeutischer Veränderungsprozesse. Einführung der generischen Prinzipien. Kleingruppenarbeit zum Praxisbezug der Prinzipien.
Samstag 28. Februar
09.00-12.00h
Einführung in das Synergetische Navigationssystem: Funktionen, Analysemethoden.
Samstag 28. Februar
12.00-13.00h
Pause
Samstag 28. Februar
13.00-14.30h
Ressourceninterview: Ein Verfahren zur Erfassung persönlicher Ressourcen und Kompetenzen in Therapie und Beratung. Praktische Übung.

 

Modul 2: 24.-25. April 2026

Methoden zur Analyse von Prozessdaten, Einführung in das SNS. Fallkonzeption in der Psychotherapie mittels Idiographischer Systemmodellierung (Einführung, Videobeispiel, praktische Übung). Entwicklung eines persönlichen Systemmodells, Vorstellung in der Gruppe, Erstellung eines persönlichen Fragebogens zur Prozesserfassung

 

Entscheidend für die Unterstützung von selbstorganisiertem Ordnungswandel in komplexen Systemen ist eine detaillierte Vorstellung über die Funktionsweise des Systems, um dessen Veränderungsprozess es geht. Im Bereich von Einzeltherapie und -beratung wird das “System” mit Hilfe eines speziellen Interview- und Konstruktionsverfahrens modelliert, der idiographischen Systemmodellierung. Diese anspruchsvolle Methodik klinischer Gesprächsführung wird in diesem Modul vorgestellt und geübt. Aus den Variablen eines Systemmodells kann mit Hilfe des Fragebogeneditors im SNS ein individualisierter Prozessfragebogen entwickelt werden, der für den jeweiligen Veränderungsprozess ein passgenaues Messinstrument liefert. Das Vorgehen kann auch für Teams und Organisationen adaptiert werden.

 

Die Systemmodellierung wird in persönlichen Entwicklungsprojekten der Teilnehmer*innen eingeführt (Arbeit in Peer-Groups). Ab diesem Modul können die Teilnehmer*innen das SNS in Selbstanwendung nutzen und praktische Erfahrungen damit sammeln. Vorgestellt wird die Funktion und Anwendung von Analysemethoden für Zeitreihen, insofern sie zum Verständnis von Veränderungsprozessen nützlich sind. Das Modul vertieft auch das methodische und theoretische Verständnis nichtlinearer, selbstorganisierender Systeme.

 

Tag / Uhrzeit Inhalt
Freitag 24. April
09.00-12.45h
Fragen und Erfahrungen seit dem letzten Modul. Fortsetzung: Methoden zur Analyse von Prozessdaten im SNS (Dynamische Komplexität, Recurrence Plots, Synchronisationsmuster, etc.). Anwendung der Synergetik in Psychotherapie und Beratung: Synergetisches Prozessmanagement.
Freitag 24. April
12.45-13.45h
Pause
Freitag 24. April
13.45-18.00h
Einführung in die idiographische Systemmodellierung. Vorgehen und Verfahrenslogik. Videobeispiel und ausführliche Übung.
Samstag 25. April
09.00-12.00h
Angeleitete praktische Durchführung der idiographischen Systemmodellierung anhand persönlicher Beispiele in Kleingruppen.
Samstag 25. April
12.00-13.00h
Pause
Samstag 25. April
13.00-14.30h
Entwicklung und Vorbereitung persönlicher Entwicklungsprojekte der Teilnehmer zur Selbstanwendung / Selbsterfahrung der Methode. Kleingruppenarbeit. Nutzung des Fragebogeneditors im SNS und Anlage individualisierter Prozessfragebögen.

 

Modul 3: 17.-18. Juli 2026

Auswertungsmodalitäten im SNS, Fallbeispiele aus der Praxis, Erfahrungsaustausch zum persönlichen Entwicklungsprojekt, Feedbackgespräche

 

Selbstorganisierte Veränderung und deren Prozesserfassung erfordert regelmäßige Feedbackgespräche mit allen Beteiligten (Klienten, Beratungskunden). Es wird illustriert und geübt, wie solche Feedbackgespräche unter Nutzung prozessbezogener Informationen aus dem SNS geführt und je nach Therapiephase, Motivation und Setting differenziert gestaltet werden können. Die aus der Synergetik (Theorie der Selbstorganisation komplexer Systeme) und dem empirischen Wissensstand der Psychotherapieforschung abgeleiteten generischen Prinzipien dienen dabei als Heuristiken und Entscheidungshilfen.

 

Die in den Peer-Gruppen entwickelten persönlichen Entwicklungsprojekte und auch Fallbeispiele der Teilnehmer*innen werden besprochen und reflektiert. Darin werden die idiographische Systemmodellierung und das darauf aufbauende Prozessmonitoring unmittelbar erfahrbar und anschaulich. Es wird gezeigt, wie sich die erlernten Methoden der Komplexitätswissenschaften in der Praxis nutzbar machen lassen. Praxisbeispiele werden supervidiert.

 

Tag / Uhrzeit Inhalt
Freitag 17. Juli
09.00-12.45h
Wiederholung und Klärung offener Fragen. Selbsterfahrung anhand der Reflexion der persönlichen Entwicklungsprojekte.
Freitag 17. Juli
12.45-13.45h
Pause
Freitag 17. Juli
13.45-18.00h
Die Nutzung und Interpretation nichtlinearer Analyse- und Visualisierungsverfahren im SNS für die Fallbesprechung anhand konkreter Beispiele (Weiterführung und Vertiefung).
Samstag 18. Juli
09.00-12.00h
Videobeispiele von SNS-gestützten Feedbackgesprächen in unterschiedlichen Kontexten (Therapie, Beratung). Bezug zu unterschiedlichen Therapieverfahren.
Samstag 18. Juli
12.00-13.00h
Pause
Samstag 18. Juli
13.00-14.30h
Selbsterfahrung anhand der Reflexion persönlicher Entwicklungsprojekte. Reflexion der von den Teilnehmern durchgeführten Therapie- und Beratungsprozesse. Rückblick auf abgeschlossene Fälle. Falls verfügbar Videoreflexion der Teilnehmer*innen. Fallsupervision. Arbeit in Kleingruppen. Kursfeedback und Verabschiedung.

Zusätzliche Online-Termine

Schwerpunkte: Technische Nutzung des SNS, Methoden der Prozessanalyse, Fallbesprechungen

  • Freitag, 22. Mai, 15-18h
  • Freitag, 11. September, 15-18h

 


Informationen zum Kurs

Kursleitung / Referenten Prof. Dr. Dr. Günter Schiepek und Dr. Yvonne Hülsner, Dipl. Psych.
Arbeitszeiten Freitag 09-18 Uhr, Samstag 09-14.30 Uhr
TN Anzahl max. 15 TN
Veranstaltungsort Praxis F. Thierfelder
Dorotheenstr.137
D-22299 Hamburg
Methoden Workshops, Kleingruppenarbeit, praktische Übungen, Fallbesprechungen, Vortrag, Videopräsentation, Selbststudium anhand von Fachliteratur und dem Synergetischen Navigationssystem als Lehrmittel
Kosten 1500€. Die Teilnehmergebühr schließt die Nutzung des Synergetischen Navigationssystems (SNS) über einem Zeitraum von einem Jahr ein.
Kontakt bei Fragen Dr. phil. Yvonne Hülsner
Mail: kurse@ccsys.de
Tel. 0173-5161104

 

 

Prof. Dr. Günter Schiepek. Leiter des Instituts für Synergetik und Psychotherapieforschung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (PMU). Professor an der PMU sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gastprofessor an der Sapienza Universität Rom (2019). Lehrtherapeut DGSF. Autor bzw. Herausgeber von 25 Büchern, etwa 400 internationalen und deutschsprachigen Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern sowie wissenschaftlicher Beirat zahlreicher Institute, Verbände und Fachzeitschriften.

 

 

Dr. Phil. Dipl. Psych. Yvonne Hülsner, Psychologische Psychotherapeutin (VT, TP), Geschäftsführung ZAP-Nord, Dozentin und Supervisorin an verschiedenen Ausbildungsinstituten, Arbeitsschwerpunkte: Prozessmonitoring, Integrative kognitive Therapie.

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